Segelzentrum

Törnberichte Sommer 2018

Rückblick Iuventa-Sommertörn 2018

 

 

Etappe Göteborg -  Strömstad

Von Florian Erdmann

Los geht´s mit der Stena Line. Nach dem ausgiebigen Buffet fahren wir in den Sonnenuntergang und die Dunkelheit hinein, das gut beleuchtete Fahrwasser entlang, dessen Seezeichen wir vom Bug aus verfolgen. Mitternacht Störe-Belt-Brücke. Wir übernehmen die Iuventa in Göteborg Långedrag; zwei Wochen war sie bereits ab Kiel unterwegs. Die Stimmung ist gut und die Spülparty im Salon dauert bis in die späte Nacht. Am nächsten Tag geht´s nach Norden, Norwegen ist unser Ziel, abends fest in Hyppeln, nächsten Morgen erste Joggingtour um die Insel und auf den Gipfel. Am darauffolgenden Mittag Stadtrundgang in Marstrand, abends Björholmen; wir liegen wie so oft vor landschaftlich schöner Kulisse- eine neugierige Robbe schaut uns in sicherer Entfernung beim Abendessen im Cockpit zu. Nächsten Tag machen wir nachmittags in Lysekil fest, Stadtbummel, danach zieht es uns zu unserer ersten Ankernacht in den Schären. Und auch nächsten Tag machen wir wieder nur für eine kleine Sightseeing-Tour (und zum Akkuladen) in Smögen fest, danach entfliehen wir dem Trubel wieder, durchfahren den Hamburgö-Fjord, der durch die abendliche Sonne in schönstes Licht getaucht wird, weiter nach Fjällbacka, wo wir gegenüber der Ortschaft und dem beeindruckenden Kungsklyftan im Vollmond liegen. Nächsten Tag zieht es uns wieder in die Idylle der Schären, langer Schlag über die norwegische Grenze, nach Kirkoy, wo üppige Nadelwälder die Felsen besiedeln. Und es wird immer sommerlicher; da schmeckt der Caipi noch mal besser. Übergabe dann wieder in Schweden, in Strömstadt. Auch hier suchen wir unseren Liegeplatz mit Bedacht aus. Ein letztes Mal baden, krönender Abschluss dann die totale Mondfinsternis, die wir vom Cockpit aus verfolgen. Eine entspannte Woche und ca. 136 SM im Kielwasser liegen hinter uns, mit den schönsten Liegeplätzen, viel Sonne und ganz viel Spaß. Ihr fahrt mit der Fähre zurück, ich bleibe noch ein bisschen.

 Jetzt geht´s wieder nach Süden, eigentlich. Wir nehmen uns die Zeit für einen kleinen Umweg und suchen unsere Privat-Schäre wieder auf norwegischer Seite, schwimmen zur nächsten- und zurück. Die Hitze, die Deutschland schon seit vorheriger Woche fast lähmt, ist spätestens jetzt als angenehme Hochsommerwärme im Norden angekommen und beschert uns herrlichstes Bade- aber auch Segelwetter. Nächsten Tag, wieder in Schweden, gleich die nächste Nacht an einer Schäre in den nördlichen Kosterinseln, da der dortige kleine Hafen längst überfüllt ist. Dann ist mal wieder ein kleiner Hafen dran, Sannäs. Gelegen im schützenden Fjord, die Nacht wird es Gewitter geben. Tags drauf machen wir nur zum Bummeln und Krabben kaufen in Grebbestadt halt, um dann abends letztere zum Sonnenuntergang in Knoblauchöl kurz gebraten zu genießen. Fjällbacker lassen wir links liegen, und suchen uns eine von vielen Schären, wo wir schließlich bei Trinisla fündig werden. Nach so viel Ruhe und Abgeschiedenheit darf es dann auch der Rummel in Smögen sein, wo wir im dritten Päckchen an einer X50 liegend Ort und Umgebung ausgiebig erkunden. Dann ist die Woche schon fast wieder vorbei. Einmal noch Einlaufen in den Hafen, vorbei an malerischen, für Schweden so typischen Holzhäusern, zwängen wir uns mit dem Heck zur Pier zwischen die an Mooringleinen liegenden kleineren Boote zur Übergabe. „That won´t fit- but try!“ So locker sind die Schweden. Und siehe da: “space will appear”. Eine heiße Woche, Cocktails und Gin & Tonic stets eisgekühlt. Und alles ganz relaxt, nur knapp über 100 SM haben wir zurückgelegt- der Weg ist das Ziel. Rückfahrt mit der Fähre, morgens dann leckeres Frühstück in der Seebar.

 

Etappe Vaberg - Kopenhagen

Von Florian Erdmann

Eine Woche Pause für mich, dann geht´s wieder los mit der Stena Line. Statt des Buffets an Bord haben wir uns für ein Picknick entschieden- und was für eins. Schnell noch an Land feine Weingläser gekauft, um den Hendricks-Gin mit Eis und Gürkchen angemessen zu genießen - der erste Liter schmeckt schon am ersten Abend, der bis zur Passage der Störe-Belt-Brücke an Deck dauert. Wir übernehmen unsere Iuventa in Varberg- kein schöner, aber ein praktischer Liegeplatz. Nachts rüttelt der Wind am Boot, ich spanne noch den ein oder anderen Festmacher, eliminiere lästige Geräusche. Nächsten Tag steht Anholt auf dem Programm, wir können den „Ritterschlag“ und diese bezaubernde Insel kaum noch erwarten. Aber es kommt anders. Zuerst veranlasst mich die überlaufende Toilette zur Umkehr, um das Problem im sicheren Hafen zu fixen und nicht in der unangenehmen See. Den zweiten Versuch brechen wir ab, als schon nach weniger als drei Meilen klar wird, dass mindestens die Hälfte der Crew den Ritt bei dem Seegang nicht verkraften wird. O.k., wieder ab in den Hafen, Bummeln an Land, die spektakuläre Aussicht auf den Horizont genießen. Nächsten Tag neuer Versuch- ihr wolltet es so. Kleinere Ausfälle, aber im Großen und Ganzen alles stabil, wir laufen zum frühen Abend in einen Hafen ein, den ich so auch noch nicht gesehen habe. Nur eine Handvoll Boote liegt dort, wo sonst, im Hochsommer, die Boote im achten Päckchen liegen. Nächster Tag ist geplant als Hafentag, den wir mit einer ausgiebigen Wanderung und einem romantischen Abendspaziergang begehen. Kraft getankt, weiter geht´s in den Sund, fast 60 SM stehen uns bevor. Aber es läuft; nicht ganz bis Helsingborg, sondern bis Viken, da uns der Wind einschläft. Kleiner Hafen, kaum Gastliegeplätze, alles voll. Bis auf ein kleines verstecktes Plätzchen, das nun zur Herausforderung wird. Zentimeterarbeit ist angesagt und so zirkeln wir unsere „Süße“ auf ihren Schlafplatz. Tolle Teamarbeit! Darauf noch einen Gin & Tonic- unterm Firmament. Nächsten Morgen das gleiche rückwärts- alles unter den ungläubigen Argusaugen unserer Nachbarn, die mehr Angst um Ihre Boote haben, als wir aufgeregt sind. Die erste Stunde wird motort, sonst würde es zu lange dauern, gegen Strom und Wind, noch dazu durchs Verkehrstrennungsgebiet zu kreuzen. Dann geht´s unter Segeln weiter gegenan, ein langer Segeltag, zum Sonnenuntergang bergen wir die Segel, der Hafen an Kopenhagens Langelinie, direkt neben der „Kleinen Meerjungfrau“  wird angelaufen. Nächsten Tag wollen wir nur noch nach Christianshavn, mitten in der Stadt. Aber ihr findet es hier viel schöner, ruhiger, in parkähnlicher Umgebung und so bleiben wir, erkunden Kopenhagen von hier aus zu Fuß und genießen abends unseren letzten Rotwein- diese Woche schmeckte er besonders.

 Etappe Kopenhagen - Kiel

Von Florian Erdmann

 

Schon vormittags erreicht mich die euphorische Frage: „geht´s heute schon los?“ Ruhig! Aber tatsächlich kommt die Action schneller als gedacht, als wir freundlichst von netten Dänen darauf hingewiesen werden, dass dies doch wohl ihr Liegeplatz sei. Na toll, also Liegeplatz wechseln, im Briefing nur das Nötigste. Aber wir schaffen das, prima Auftakt, ihr seid stolz- zu Recht. Und neben einem Motorboot wollten wir eh nicht liegen. Spaziergang durch Kopenhagen, dann geht´s los Richtung Schweden, eure Vorgänger Crews haben ja auch jeweils zwei Gastlandsflaggen gehisst. Skanör ist der Ort der Wahl, liegt auch mehr auf dem Weg als Malmö. Und vor allem nicht zu weit weg; alle haben Sorge, sie könnten den Seegang nicht vertragen und bei einigen ist die Sorge mehr als begründet. Aber es lohnt sich; der kleine gepflegte Hafen bietet zwar nur wenige Liegeplätze für unsere Iuventa, aber nach einem etwas nervösen Anlegemanöver bei Starkwind werden wir am nächsten Morgen mit tollster Brandung am Badestrand belohnt. Weiter geht´s Richtung Klintholm, doch dort sollen wir erst nächsten Tag vorbeikommen. Auf dem Weg nämlich liegen die imposanten Kreidefelsen von Möns Klingt, bis zu 143 Meter ragen sie steil in die Höhe. Eine beeindruckende Kulisse. Obwohl der Wind auf dem Weg kräftig blies, nun liegen wir in der Abdeckung. Und so werfen wir den Anker nur 200 Meter von der Küste entfernt. Atemberaubender Anblick. Um drei Uhr Check, ein Sternenhimmel, wie man ihn selten sieht. Um 5:54 Uhr geht die Sonne auf; traumhaft, die weiße Kreide leuchtet kurz in zartem bernstein. Nach einem leckeren Frühstück setzen wir über zum Ufer, zahlreiche Stufen führen hinauf, und wir werden mit einem grandiosen Blick belohnt. Nun aber Anker auf und ab ins geschützte Smålandsfahrwasser. Wir kreuzen gegenan, kommen nicht so weit, wie geplant. Macht nichts, Harbollebrö ist ein kleiner, niedlicher Hafen. Acht Kilometer legen wir tagsdrauf joggend zurück, um Brötchen zu bekommen. Weiter Richtung Vejrö, einer kleinen privaten Insel, wohin sich die wenigsten verirren. Die, die es tun, werden mit gepflegten Sanitäranlagen, Feuerholz und Fahrradverleih sowie den feinsten Brombeersträuchern belohnt. Auf dem Weg noch Fenderreiten, abends ein Caipi im Gewächshaus auf Loungemöbeln, danach Lagerfeuer, an dem wir schließlich mit einem Gin&Tonic  (und zuvor bereit gelegtem Schlafsack) die Nacht unter freiem Himmel verbringen. Vejrö im Schnelldurchlauf. Nächsten Vormittag noch ein Fahrradausflug um die Insel, der uns spontan einen Rundflug in einer kleinen einmotorigen Privatmaschine beschert. Wir begrüßen den Piloten Paul und seine Frau Rita noch auf ein Getränk bei uns an Bord. Erst um 17 Uhr legen wir ab, Richtung Süden, übermorgen wollen wir in Kiel sein. Bis Onsevig schaffen wir es, schon stockfinstere Nacht, mit Posis und Suchscheinwerfer laufen wir in den menschen- aber nicht bootsleeren Hafen ein. Eng ist er, klein und voll. 12m Breite müssen reichen, um unsere Iuventa zu wenden. Wir sind kreativ und machen uns einen schönen Liegeplatz  - passt. Vorletzter Segeltag des Törns, wir haben einen mehr als üblich. Also müssen wir nicht nach Kiel, das wäre auch zu weit, aber Bagenkop liegt auf dem Weg. Der Tag ist dennoch lang, und nass, und es wird kälter. Wir kreuzen unermüdlich gegenan, die eine oder andere Welle überkommt das Deck und schlägt ins Cockpit. Kurz vorm Hafen zucken dann in der Ferne Blitze aus den Wolken, schnell die Segel runter. Dann ab in den Hafen, der Wind frischt auf 35kn auf, das Boot schwankt und driftet, der Motor heult laut, der Skipper flucht leise. Aber alles gut, schließlich liegen wir sicher an langen Leinen in unserer Box. Samstag, letzter Tag. Pünktlich um 10 Uhr legen wir ab, die Manöver laufen wie am Schnürchen. Wieder gegenan. Zweites Reff, Genua III. Ausreffen, größeres Vorsegel, dann die ganz großen Tücher, da der Wind fast einschläft, dann kommt er wieder und wir wechseln die Segel ein letztes Mal. 223 Meilen hinter uns- Respekt! Fest in Kiel, nach sieben Wochen ist „sie“ wieder zu Hause. Wir grillen, lassen die Woche Revue passieren, jeder hat sein eigenes Highlight. Eins von so vielen.