Segelzentrum

Ein Tag an Bord

Ein Tag an Bord – eine kurze Beschreibung für Interessierte

Von Florian Erdmann

 

 

Wer zum ersten Mal an einem Segeltörn teilnimmt, der/ die fragt sich, was für Equipment er/sie benötigt, welche Kosten auf ihn/ sie zukommen und wie ein solcher überhaupt abläuft.

Die ersten beiden Fragen haben wir in einer Packliste erstellt und im Angebotstext Infos für euch zusammengefasst.

Aber wie läuft ein Törn eigentlich genau ab und wie sieht der Alltag an Bord aus?

 

Zunächst einmal muss man wissen, dass ein Segeltörn mit so kleiner Gruppe immer sehr individuell gestaltet werden kann, so dass die genaue Ausgestaltung immer von der Gruppe und dem Skipper abhängt; letzterer prägt „seine“ Woche aber sicherlich ein gutes Stück weit.

Aber es gibt bei den Uni-Törns erfahrungsgemäß unabhängig von der Gruppe und der/m jeweilige*n Skipper*in Gemeinsamkeiten, die nachfolgend kurz dargestellt werden sollen.

 

Die Vorbereitung beginnt bereits vor dem Törn. Euer*e Skipper*in stand schon früh für eure Fragen zur Verfügung und hat euch alle notwendigen Informationen gegeben. Idealerweise wird ein Speiseplan und der Einkaufzettel bereits vor dem ersten Treffen gemeinsam entworfen.

Am Tag vor der Abreise trifft sich die Crew oder ein Teil dieser, unter Umständen auch gemeinsam mit dem/r Skipper*in, zum Einkauf. Da kommt einiges zusammen und es sollte genug Zeit, mindestens drei Stunden, eingeplant werden.  

Sofern der Törn in Kiel beginnt, müssen nun die Einkäufe und das Gepäck auf dem Boot verstaut werden; hier sind spätestens die gesamte Crew und der/ die Skipper*in anwesend und alle packen mit an.

Wenn der Törn in einem entfernten Hafen beginnt, so werden die Einkäufe und das Gepäck platzsparend im Uni-Bus verstaut, auch hier helfen alle mit.

Abhängig von der zum Liegeplatz des Bootes zurückzulegenden Entfernung geht es am Morgen schon sehr früh los; schließlich wollen wir gegen 13 Uhr am Liegeplatz sein.

 

Nun ist also das Boot mit vereinten Kräften beladen und alles findet sich dort, wo es hingehört. Also Segelsetzen und auf geht´s? Nicht ganz so schnell! Ersteinmal erteilt der Skipper/ die Skipperin euch eine ausführliche Sicherheitseinweisung und macht euch mit dem Boot und dessen Bedienung in den Grundzügen vertraut- Safty First!

 

Ob es am Tag der Anreise oder erst nächsten Vormittag losgeht, hängt dann ganz von der Gruppe und dem Skipper/ der Skipperin ab- meistens verbringen wir den Abend noch im Hafen; es sind doch alle ein bisschen kaputt.

Am nächsten Vormittag geht es dann los. Vorab wird das Ablegemanöver- wie jedes neue Manöver auch-  ausführlich besprochen, so dass alle wissen, was zu tun ist. Keine Angst: Als Landratte und Segelneuling vergisst man schnell mal das ein oder andere; euer Skipper wiederholt die wichtigen Dinge so lange, bis sie „sitzen“.

 

Der grundsätzliche Ablauf eines jeden Tages ähnelt häufig den anderen, wenngleich er inhaltlich natürlich immer unterschiedlich ist. Am Vorabend wird eine Zeit fürs morgentliche Frühstück gewählt. Der Wecker klingelt mindestens eine Stunde vorher, die Vorbereitung dauert und der Weg zum Waschhaus ist natürlich länger, als zu Hause.

Es wird dann meist ausgiebig gemeinsam auf dem Boot gefrühstückt, da es mittags nur einen kleinen Snack und keine aufwendige Mahlzeit gibt. Anschließend wird der Abwasch erledigt und das Boot klar gemacht- auch hier zeigt euch der Skipper alles Erforderliche. Dann wird gesegelt: herrlich! Je nach Lust und Laune bzw. der geplanten Route dauert ein Segeltag so zwischen ca. fünf und acht Stunden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei zu viel Wind bleiben wir auch mal einen ganzen Tag im Hafen.

Abends wird regelmäßig ein Hafen angelaufen, der über sanitäre Einrichtungen und zumindest über bescheidene Einkaufsmöglichkeiten verfügt. Häufig laden schöne Ortschaften zum Bummeln ein.

Seltener wird auch mal eine Nacht geankert. Hier hat man natürlich weniger „Auslauf“, aber um das Boot herum zu baden, mit unserem kleinen Beiboot einen Abenteuerausflug an Land zu unternehmen und das letzte Getränk des Abends unter sternenklarem Himmel zu genießen ist immer wieder ein Highlight.

 

Nachdem das Boot an seinem Liegeplatz liegt und sicher vertäut ist, ist es unter Seglern Tradition, gemeinsam ein „Anlegebier“ zu trinken, aber natürlich geht auch jedes andere Getränk. Das Beisammensein nutzen wir, um den Tag Revue passieren zu lassen und einander Feedback zu geben, Fragen zu erörtern und Ideen für den nächsten Tag zu schmieden.

Häufig bleibt jetzt noch Zeit, zu Fuß ein bisschen das Land zu erkunden; gemeinsam oder auch mal jeder für sich.

 

Das Abendessen stellt die Hauptmahlzeit des Tages dar; die frische Seeluft, die Sonne und die Handgriffe an Bord machen hungrig. Es wird gemeinsam geschnibbelt und gekocht. Und dann lecker gegessen, getrunken, geredet und gelacht, vielleicht gespielt. Abwasch und Klarschiffmachen muss leider immer sein; an Bord ist viel weniger Platz als gewohnt und Ordnung ist unerlässlich, einen Geschirrspüler haben wir nicht. Nicht umsonst sagt man, Segeln sei „Campen auf dem Wasser“.

So vergehen die Tage viel zu schnell. Aus vormals Fremden wird eine eingeschworene Crew und nicht selten entstehen Freundschaften, die der Beginn vieler weiterer Segelreisen sind.

Eine wunderschöne Woche mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen liegt hinter uns. Aber auch die schönste Zeit geht vorüber und so verlassen wir unser nun lieb gewonnenes neues Zuhause, nachdem wir es ausgiebig gereinigt haben.

 

 

Ihr habt es sicher schon gemerkt: die Worte „gemeinsam“, „zusammen“, „alle“ etc. sind hier nicht wegzudenken. Mit einer Gruppenreise auf einem Segelboot geht einher, dass man im Vergleich zu den eigenen vier Wänden weniger Platz für sich hat, die Privatssphäre etwas eingeschränkt wird, man auf einigen sonst selbstverständlichen Komfort verzichten und ein gewisses Maß an Disziplin erbringen muss. Und egal ob es darum geht, das Boot zu klarieren, zu schnibbeln, zu kochen, abzuwaschen, zu putzen oder den Müll wegzubringen: alle packen mit an und leisten ihren Beitrag zu einer gelungenen, harmonischen Woche. Das heißt nicht, dass man nicht auch mal nur für sich die Kopfhörer aufsetzen, dösen oder sich am Bug die Gischt um die Ohren wehen lassen kann. Es handelt sich jedoch nicht um einen Individualurlaub im 5-Sterne-Hotel. Aber gerade deshalb lieben wir ja das Segeln. Daher seid vorgewarnt: Segeln macht süchtig und wirkt studienverlängernd…

 

Von Florian Erdmann