Segelzentrum

Törnberichte Sommer 2019

Rückblick Iuventa-Sommertörn 2019

 

Zusammengefasst von Florian Erdmann für das Iuventa-Törn-Team des Segelzentrums (Florian, Heiko, Niels, Fränzi und Torsten)

 

Kiel - Kopenhagen

Kopenhagen - Göteborg

Göteborg - Strömstad

Strömstad - Oslo

Oslo - Strömstad

Strömstad - Göteborg

Göteborg - Aarhus

Aarhus - Kiel

 

 

Am 6. Juli ist es endlich soweit. Die Iuventa sticht in See und bricht zu ihrem Sommertörn auf. Bis Oslo sollte es gehen und wieder zurück nach Kiel. Acht Wochen waren eingeplant, die Zeit genug für den ein oder anderen „Schlenker“ lassen - der Weg ist das Ziel. Bis es soweit war, musste einiges organisiert werden. Denn wir wollten den Törn nicht mit derselben Crew fahren; Studierende aus ganz Deutschland waren zu diesem Kettentörn eingeladen, jeweils eine Woche eine abwechslungsreiche Route zu erleben. Diese entwarfen wir fünf Segellehrer des Segelzentrums der Uni Kiel bereits im Winter 2018/19, Mietwagen und Fährüberfahrten nach Göteborg und Oslo wurden gebucht, Crews eingeteilt, aktuelles Kartenmaterial (insg. 6 verschiedene Sätze) beschafft. Wir Skipper sorgten dann jeweils dafür, dass die nötigen Segelkenntnisse vermittelt wurden und das Boot immer sicher unterwegs war, sodass auch Segelneulinge willkommen waren.

Für einen solchen Törn eignet sich unsere 39-Fuß lange Iuventa ganz fabelhaft. Im Vorschiff, , befinden sich vier Stockbettkojen; achtern die Skipperkoje und eine Dreier-Kabine. Jede Koje ist mit Leesegeln ausgestattet, sodass auch einer Nachtfahrt nichts im Wege steht. Und auch wenn am Nav-Tisch ein Kartenplotter installiert ist, wird auch auf „althergebrachte“ Weise auf Papierkarten navigiert. Gesteuert wird, wie es sich für ein ordentliches Segelboot gehört, mit der Pinne. So hat an Bord jeder der sechs Mitsegler*innen seine/ihre Aufgabe und es kommt keine Langeweile auf.

 

Heiko, Skipper, der ersten Etappe, empfängt seine Crew, die geschlossen aus Gießen anreist, bereits am Freitagnachmittag am Kieler Hauptbahnhof. Nachdem die Einkäufe gestaut und eine ausführliche Sicherheitseinweisung erteilt wurde, macht sich die Iuventa Samstagmittag auf Richtung Norden. Durch das Smålandsfahrwasser geht es gemütlich dem ersten Etappenziel entgegen. Die Woche endet schließlich in Kopenhagen inmitten des Postkartenmotivs Nyhavn.

Am frühen Morgen des Samstags startet die zweite Crew in Kiel per VW-Bus voller Spannung auf das bevorstehende Abenteuer - die alte Crew tauscht Boot gegen Bus wehmütig, hatte sie doch, allesamt Landratten aus dem Süden, das mitunter nasse Vergnügen sehr genossen.

 

 

Niels startet mit seiner Crew zunächst zu einem Landgang. Christiania und die Kopenhagener Innenstadt werden erkundet. Am nächsten Morgen wird das Ablegen dann durch die Brückenöffnungszeiten bestimmt. Mit der Stadtkulisse im Rücken geht es bei leichtem bis mittlerem Wind Richtung Helsingör, wo auf Empfehlung des Hafenmeisters im Museumshafen festgemacht wird. Am nächsten Morgen ist frühes Aufstehen angesagt. Die Vorhersage gab frischen Südwest-Wind an, der uns mit voller Fahrt über die 50 Meilen nach Anholt bringen sollte. Je mehr wir uns vom Land entfernten, umso unangenehmer wurde das Wellenbild und alle waren froh, als wir am frühen Abend in den Hafen von Anholt einkehren konnten. Dort machten wir Anholt-typisch fest in einem 3er-Päckchen, das sich bis zum Abend zu einem 7er-Päckchen ausbauen sollte. Als Belohnung für den anspruchsvollen Segeltag gab es darauf einen Hafentag mit ausgiebigen Spaziergängen durch Dünen und Strand. Weiter ging es nach Varberg, wo wir die ersten Schären-Landschaften bestaunen und das Sommerwetter für ein ausgiebiges Bad genießen konnten. In Hafen erwarteten uns ein Spaziergang zur Burg, Live-Musik und ein wunderbarer Sonnenuntergang. Zwischen den Schären kreuzten wir bis Göteborg. Durch die häufigen Segel- und Kurswechsel war die ganze Mannschaft gefordert, stellte jedoch einstimmig fest: Der Ankerplatz zwischen den Schären von Kungsö war das absolute Highlight der Woche. Zum Abschluss der Reise kehrten wir in den Königlichen Yachtclub von Göteborg ein, wo wir das Boot an Fränzi und ihre Crew übergaben. Zurück ging es dann mit dem VW-Bus via Stena-Line Fähre nach Kiel.

Ab jetzt gab es „Schären satt“. Das Wetter war freundlich und ließ einige Nächte in den Schären vor Heckanker zu. Strömstadt an der schwedisch-norwegischen Grenze war das Etappenziel der dritten Woche. Von hier aus war wieder nur der Weg zur Fähre in Göteborg zurückzulegen, mit der wir entspannt über Nacht zurück nach Kiel fuhren.

Fränzi blieb an Bord, empfing die neue Crew, und machte sich auf den Weg nach Oslo. Durch den Ytre Hvaler National Park bummelten wir in den Oslo-Fjord. Insb. nordwestlich von Drobak war navigatorische Aufmerksamkeit und genaues Kartenstudium gefragt; ist doch das Flach nördlich von Søndre Håøya schmal, aber nur an zwei engen Stellen überhaupt für uns passierbar. Und auch wenn der Oslo-Fjord kein Gezeitenrevier par excellence ist, so bekommen wir doch einen Geschmack davon, was dies bedeuten kann: das Schiff sicher in der Box festgemacht mit ausreichend Wasser unter dem Kiel, sitzt es nach Rückkehr von unserem Stadtspaziergang auf einem nicht im Hafenhandbuch verzeichneten Stein auf und neigt sich ungewöhnlich zur Seite. Kein Zerren und Zurren hilft, wir müssen die nächste Flut abwarten, um wieder freizukommen. In Oslo finden wir glücklicherweise in Aker Brygge einen Liegeplatz inmitten des Herzens der Stadt, nachdem uns die Hafenmeister der umliegenden Marinas keinen Platz zuweisen konnten.

Florian reist mit seiner Crew direkt per Fähre von Kiel nach Oslo. So schön der Liegeplatz auch gelegen ist, den Crewtausch mit samt Gepäck und Proviant macht er nicht leichter. Über ein Parkkellersystem nähern wir uns ihm so gut es geht, dann heißt es Schleppen und Karren. Aber auch das ist mit vereinten Kräften schnell geschafft bei knapp 30 Grad. Den Nachmittag und den nächsten Vormittag nutzen wir für ausgiebige Stadtbummel, das Wetter ist hochsommerlich und so verwundert es fast, dass am Abend das „Studentenboot“ nicht dasjenige ist, das am lautesten feiert. Am nächsten Tag steht nur ein kurzer Schlag auf dem Programm, keine 6 Meilen westlich von Oslo wird die Nacht an einer Schäre verbracht. Es geht gemütlich wieder Richtung Süden, dem westlichen Ufer des Oslo-Fjordes folgend. Das Wetter wird norddeutsch, tägliches Baden lassen wir uns dennoch nicht nehmen. Begeisterung kommt auf, als wir in die Schärenwelt Verdens Endes eintauchen und dort im wunderschönes (fast) Naturhafen einkehren. Die sanitären Anlagen sind in den massiven Fels eingebettet, die nackte Felswand bildet die Duschkabine. Ein letzter Schlag nach Osten, eine letzte Nacht vor Heckanker am bewaldeten Fels, dann segeln wir auch schon wieder über die Grenze und machen in Strömstadt fest. Perfektes Timing, für den nächsten Tag ist Starkwind vorhergesagt.

So kommt es auch. Florian bleibt an Bord und würde eigentlich noch am Samstag mit der neuen Crew zu den Koster-Inseln aufbrechen wollen. Aber bei südwestlichen Winden mit 6-7 Beaufort ist das keine so gute Idee für den ersten Tag. Auch der Sonntag bleibt Hafentag, die Sicherheitseinweisung fällt umso ausführlicher aus. Der Wind bläst weiter aus Süd-West, Windstärke 7. In Strömstadt haben wir alles gesehen, und so beschließen wir, uns in den Schären zu „verstecken“. Während „draußen“ 3 Meter Welle stehen (sagt Windfinder), können wir in unserem 18m hohen Masttopp nur erahnen, wie es dort zugeht. Aber irgendwann muss man kurz raus. Tag vier und das Ende der Woche schon wieder näher als deren Anfang, verleitet uns auf dem Weg nach Smögen nun doch, einmal die Nase rauszustrecken. Strecktaue sind ohnehin gespannt, Sorgleinen in den Rettungswesten eingepickt und mit diesen verbunden. Dann geht´s los; nur um die Ecke rum und da stehen plötzlich die drei Meter Welle, über 30 kn Wind und Gischt spritzt ins Cockpit. Bedingungen, die die meisten nur vom Hörensagen kannten. Also eine Kreuz bis Smögen, die Crew ist inzwischen gut eingespielt, die Wenden inkl. der Bedienung der Backstagen klappen prima. Ein Heidenspaß, aber wir sind doch ganz froh, als der Ritt vorbei ist und wir klitschnass und ein bisschen verfroren in Smögen als großes Hafenkino mit seitlichem Starkwind an der Mooring festmachen. Tags darauf lässt der Wind wieder etwas nach und wir genießen den Weg über Marstrand nach Göteborg sehr.

Dann wieder same procedure as every week; die Fähre ermöglicht uns wiederholt einen zuverlässigen Crewtausch und Torsten übernimmt die Pinne. Vor ihm liegt die Etappe mit dem größten Wochenetmal; über Lysö und Anholt geht es nach Aarhus - ohne Genua 3, die hatte den Wind der Vorwoche nicht gut vertragen und musste mit nach Hause zur Reparatur. Geschafft hat er es dennoch und der guten Laune hat es auch keinen Abbruch getan, so dass er das Boot wie geplant wieder an Heiko übergeben konnte, der über Samsö, durch den kleinen Belt und die „Dänische Südsee“ zurück in den Heimathafen Kiel-Schilksee steuerte.

 

Dort lief sie ein, unsere Iuventa, drei Gastlandsflaggen wehen unter der Steuerbordsaling, über 1000 NM liegen im Kielwasser. Fünf Skipper sind glücklich und auch ein bisschen stolz, das Boot wieder heile nach Hause gebracht und nicht weniger als 40 zufriedene Landratten für diesen Sport begeistert zu haben. Diese blicken nun mit leuchtenden Augen auf ihren Sommertörn zurück, der sicherlich nicht ihr letzter gewesen sein wird.